Antisemitismus und Islamophobie


während Antisemitismus ein Begriff ist, der schon lange akzeptiert ist, und einen Sachverhalt beschreibt, dessen Existenz unbestritten ist, wurde der Begriff “Islamophobie” erst gegen Ende 1980 geprägt, und ist bis heute noch äussert umstritten.

Einige sagen sogar, dass Islamophobie ein “Kampfbegriff” der Islamisten sei. Das sagte zum Beispiel Matthias Küntzel, der im März 2006 zum Thema “Dem Antisemitismus entgegentreten – aber wie?”, in der Essener Alten Synagoge einen Vortrag hielt.

Er sagte das, nachdem ich ihn zu diesem Begriff befragte. Mich hat das seitdem immer wieder beschäftigt. Natürlich soll man keine Begriffe von Islamisten übernehmen, aber irgendeinen Namen muss eine Sache doch haben, die es doch zweifelsfrei gibt. In Schweden tut man es sich vergleichsweise leicht diesem Rassismus einen Namen zu geben: Islamofobi.
http://www.integrationsverket.se/upload/islamofobi.pdf

Ich habe eine Definition dieses Begriffes aus einer Schrift des schwedischen Amtes für Integration übersetzt und lade Sie ein, darüber zu diskutieren.

Übersetzung aus Islamophobie in Schweden 2004,
Göran Larsson, Universität Göteborg
http://www.integrationsverket.se/upload/islamofobi.pdf (Seiten 79 ff)
(übersetzt von Olaf Swillus)
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Islamophobie ein neuer Begriff

Um islamfeindliche Tendenzen in der Gesellschaft bestimmen zu können ist es zu allererst wichtig eine klare und funktionelle Definition der Islamophobie zu haben. Danach muß eine Methode entwickelt werden um zu messen und den Grad islamophobischer Tendenzen in der Gesellschaft bestimmen zu können.

Das Ziel des ersten Teils des Berichtes ist daher primär die Geschichte des Begriffs und Bedeutung darzulegen, samt der Entwicklung einer Methode um das Vorkommen von Islamophobie in Schweden messen zu können.

Einige übergreifende Fragestellungen sind:

- Was bedeutet Islamophobie
- Ist Islamophobie ein neues Phänomenen
- Welche Ursachen gibt es für Islamophobie ?

Um den Begriff Islamophobie in einen historischen Zusammenhang zu stellen, wird selbst eine Übersicht gegeben, wie der Islam und die Muslime in Europa wahrgenommen wurden, historisch und heutzutage.

Das Ziel dieser Übersicht ist zu zeigen, dass Gegensätze und Stereotype des Islam und der Muslime nichts sind was nur unserer Zeit zueigen ist.

Was ist Islamophobie ?

Der Term Islamophobie wurde gegen Ende der 1980er Jahre geprägt, aber das Wort ist auf vielfältige Weise neu. Zum Beispiel gibt es dieses Wort nicht in der National-Encyclopädie oder in Rechtschreibprogrammen für Computer, und es ist schwer eine anerkannte Definition von Islamophobie zu finden.

Nach dem Stockholm International Forum on Combating Intolerance, einer Regierungskonferenz, die im Januar 2001 abgehalten wurde, bekam der Term jedoch eine gewisse Akzeptanz und Verbreitung unter westlichen Forschern. Auf dem Treffen wurde Islamophobie unter anderem mit Rassismus, Antisemitismus und allgemeiner Fremdenfeindlichkeit gleichgestellt (-> Intoleransrapporten 2004:14 )

Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass es keinen Konsens unter Forschern gibt, wie dieser Begriff definiert werden soll. Die Mehrzahl meint, dass Islamophobie vor allem eine Angst vor dem Islam und vor Muslimen bedeuten soll, während andere betonen, dass Islamophobie vor allem etwas mit Haß gegen Islam und Muslime zu tun hat.

Nach dem Bericht „Islamophobia: A Challenge for Us All“ des britischen Runnymede Trusts wurde Islamophobie das erste Mal in einer amerikanischen Zeitschrift im Februar 1991 benannt. Obwohl die Definitionen variieren können, zielt für gewöhnlich Islamophobie teils auf eine Angst oder eine Phobie vor der Religion „Islam“ und deren Anhänger, die Muslime, teils auf Kampagnen gegen Islam und Muslime, die auf diesen Ängsten aufbauen (Ouis und Roald 2003:26; Runnymede trust 1997:4).

Ungeachtet der Tatsache, dass der Term viele Berührungspunkte zu Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus hat, wurde er kritisiert weil er vor allem ein Ausdruck politischer Korrektheit sei. Aber das bedeutet, das es schwer oder unmöglich wäre eine kritische Debatte über Islam, der multikulturellen Gesellschaft und schwedischer Einwanderungspolitik zu führen.

Einer meiner muslimischen Mitarbeiter meint ebenfalls, das der Begriff Islamophobie fehlerhaft sei und Relevanz vermisse, weil Vorurteile und Stereotypen vor allem Araber und nicht alle Muslime betreffe. Nach dieser Auffassung wäre es besser von „Arabophobie“ zu reden. Die Angst vor Muslimen betrifft zum Beispiel nicht Personen die aus Afrika oder der Türkei kommen, sondern einzig nur Araber. Inwieweit diese Annahme stimmt oder nicht muß mit mehr Fakten belegt werden. Aber unabhängig, ob wir den Term Islamophobie akzeptieren oder verwerfen, ist es klar, dass zuvor eine Terminologie fehlte um antimuslimische Vorurteile in Worte zu fassen. Aus dieser Perspektive erfüllt der Begriff Islamophobie eine Funktion.

In Bezug auf Kritik ist es ebenso relevant zu betonen, dass eine Anwendung von zum Beispiel Antisemitismus oder Islamophobie nicht automatisch bedeutet, dass es unmöglich ist zu diskutieren oder Muslime zu kritisieren, wie sie ihre Religion leben, und welche Konsqunzen ihre Religiösität hat. Die Frage ist, wie die Kritik formuliert wird.

Eine kritische und sachliche Debatte, die auf wohl begründete Fakten baut ist etwas ganz anderes als vorgefasste Stereotypen und negative Bilder beispielsweise vom Islam und Muslimen. Eine Voraussetzung für die tolerante Gesellschaft ist ein offenes Gesprächsklima. Das beinhaltet, dass sowohl Muslime als auch Nicht-Muslime den Raum und die Möglichkeit haben ihre Ansichten zu formulieren und ihren Glauben zu praktizieren unter der Voraussetzung, dass keine anderen Personen dabei zu Schaden kommen. Eine kritische Diskussion ist auch offen dafür, dass Religion und glaubende Menschen nicht zu einem homogenen Phänomen reduziert werden.
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