DDR: Zweite deutsche Diktatur ?

Frank Stenglein verwendet für die vergangene Deutsche Demokratische Republik den Ausdruck “Zweite deutsche Diktatur”:
derwesten.de: Die Saat geht auf, Kommentar von Frank Stenglein
Wenn man nicht zählen kann !

Mir hat Herr Stengleins Rede von der “zweiten deutschen Diktatur” keine Ruhe gelassen. Daher habe ich im Internet nach “Zweite deutsche Diktatur” gesucht, und gefunden, dass erstaunlich viele so reden oder schreiben: Aber ich habe auch eine wunderbare Replik darauf von Friedrich Wolff gefunden, … eine Rede die er zum 55.Jahrestag der Gründung der DDR gehalten hatte.

Daraus will ich einfach nur zitieren:

— Zitat Anfang:
Ein anderer Stempel, der der DDR aufgedrückt wird, heißt “zweite deutsche Diktatur”. Er entlarvt bei genauerem Hinsehen seine Urheber. So wird heute und hier deutsche Geschichte aufgearbeitet: Alles war in Deutschland paletti, bis die Nazis kamen, die man im Gegensatz zum MfS immer mit ihrem offiziellen Namen als Nationalsozialisten bezeichnet. Die Sozialistische Einheitspartei sei – so heißt es – in ihre Fußstapfen getreten und danach, seit 1990, ist wieder alles paletti. Die beiden einzigen deutschen Diktaturen werden so zu sozialistischen Diktaturen. Offiziell leugnet man ihre Gleichsetzung, man vergleiche nur, doch das ist nicht wahr. …

Was heißt überhaupt erste oder zweite deutsche Diktatur? Was ist das für ein Geschichtsbild? Was herrschte denn z.B. in Deutschland 1781 für ein Regime, als Schiller die Räuber schrieb und ihnen als Motto “in tyrannos” voranstellte. Das war wohl keine Diktatur, weil es Tyrannei war? Und was herrschten in Deutschland für Zustände, als 1834 Büchner im Hessischen Landboten schrieb: “Ihr seid nichts, ihr habt nichts! Ihr seid rechtlos.

Ihr müsset geben, was eure unersättlichen Fresser fordern, und tragen, was sie euch aufbürden. So weit ein Tyrann blicket – und Deutschland hat deren wohl dreißig -, verdorret Land und Volk.”

Etwas später, bei Friedrich Wilhelm IV., gab es einen echten Schießbefehl.

Er ließ am 18. März 1848 mit Kanonen auf seine “lieben Berliner” schießen, als diese ein wenig Demokratie wollten. Auf dem Schloßhof lagen am Tage danach 183 Tote. In der Festung Rastatt wurde 1849 jeder zehnte der vom preußischen Militär gefangen genommenen Revolutionäre erschossen. Danach sang das Volk lange: “Schlaf, mein Kind, schlaf leis’ – dort draußen geht der Preiß – wir alle müssen stille sein – als wie dein Vater unterm Stein.” Ein Diktator war Friedrich Wilhelm IV. natürlich nicht, man nennt ihn heute Romantiker und will sein Schloß, vor dem die toten Demokraten lagen, wieder aufbauen und dafür den Palast der Republik abreißen.

Und so ging das weiter. Es folgte 1852 der Kölner Kommunistenprozeß mit gefälschten Papieren eines Spitzels, 1878 Bismarcks Sozialistengesetz, es folgte 1891 die Rede Wilhelm II. anläßlich einer Rekrutenvereidigung. Der Kaiser sprach demokratisch human: “Kinder Meiner Garde! Ihr habt euch Mir mit Leib und Seele ergeben, ihr seid jetzt Meine Soldaten! (…) Bei den jetzigen sozialistischen Umtrieben kann es vorkommen, daß Ich euch befehle, eure eigenen Verwandten niederzuschießen oder niederzustechen, aber auch dann müßt ihr Meine Befehle ohne Murren befolgen.” – Von dem Völkermord an den Hereros reden wir nicht, man hat sich ja bei ihnen entschuldigt, und vom 1. Weltkrieg auch nicht, denn das hat mit Diktatur für unsere heutigen Demokraten ohnehin nichts zu tun. Bei feierlichen Anlässen geht man nach wie vor in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.

Die Taten der Hohenzollern müssen nicht aufgearbeitet werden. Im Gegenteil. …
— Zitat Ende
(zitiert nach:
http://www.dkp-darmstadt.de/geschichte/ddr-55-jahrestag-rede-wolff.htm )

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