Mir wurde neulich vorgeworfen, ich würde in einer Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten A und B Partei für A ergreifen. Der, der diesen Vorwurf äusserte hielt sich zugute, dass er völlig unparteiisch sei. Er hätte mit diesem Streit überhaupt nichts zu tun. Da B aber Dinge tat, die ich für verwerflich hielt, kam ich ins Grübeln. Und schließlich zu der Erkenntnis:
Wer unparteiisch ist, ergreift auch Partei …
nämlich für das Vorgehen von B, das ich ablehne.
Diese Frage hat aber auch schon andere beschäftigt:

Werbung für eine Partei.
Stefan Gosepath, Arnd Pollmann, Stefan Huster, Peter Siller schreiben darüber:
Ist es links?: >Parteilichkeit<
Rechte oder Pflichten erscheinen uns nur dann als gerecht, wenn sie für uns überzeugend beanspruchen können, auf unparteiliche Weise begründbar zu sein. Justitia richtet ohne Ansehen der Person. Ihre Augen sind deshalb verbunden, aber sie ist nicht blind. Denn die Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit verlangt offene Augen und Ohren. Unparteiisch ist man mit Bezug auf eine bestimmte Gruppe genau dann, wenn das eigene Urteil überhaupt nicht davon beeinflusst ist, ob und welche Mitglieder der Gruppe von dem eigenen Urteil profitieren oder benachteiligt werden. Gerechtigkeit verlangt also Unparteilichkeit. Wenn »links sein« bedeutet, für Gerechtigkeit zu sein, bedeutet es demnach auch, unparteilich zu sein. Wer die Perspektive der unparteilichen Gerechtigkeit einnimmt, tut dies, um für die ansonsten Schwachen, Benachteiligten und Ausgeschlossenen einzutreten. In diesem Sinne ist Gerechtigkeit zugleich parteiisch zugunsten der Schwachen. Stefan Gosepath.
Wenn es Streit gibt, kann man nicht immer unparteiisch bleiben. Wer etwas durchsetzen oder verhindern will, muss Partei ergreifen, sich auf die eine oder andere Seite des Streits werfen. …
Zum Weiterlesen: http://www.polar-zeitschrift.de/polar_05.php?id=234#234