Sondervorstellung “Jud Süß”

Am Montag, den 25. Oktober 19:00 Uhr war im Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Straße 2, Filmvorführung. “Jud Süß” wurde gezeigt, nicht ohne Einleitung von Claus Leggewie und anschliessender Diskussion mit Christian Gudehus (KWI) und Armin Nolzen (Bochum).

Das Kino war brechend voll. Woher kommt dieses Interesse an diesem wirklich üblen Propaganda-Film aus der NS-Zeit? Welche Faszination geht davon aus? Warum habe ich mich dafür interessiert? In der anschließenden Diskussion wurde über Antisemitismus und Klischees über Juden gesprochen. Dass der Film heute nicht mehr die Wirkung haben könne die er damals gehabt hätte. Stimmt. Fand ich auch. Aber heute gibt es doch auch Klischees und Vorurteile über Bevölkerungsgruppen, … ein Film über eine Schule in Karnap gilt der NPD doch auch als Motiv für ihre Hetze. Das hatte ich versucht in der anschliessenden Diskussion anzusprechen. Darauf wurde aber nicht eingegangen. Die Fachleute vorne waren Historiker, die mit der Gegenwart nichts zu tun haben wollten, … das Publikum ebenfalls. Einer aus dem Publikum, erklärte dass er Jude sei, und den einen Film nicht mit dem anderen Film verglichen wissen wollte. Nun ja. Ich fühlte mich zurechtgewiesen, und schwieg ob des deutlichen Desinteresses der Übrigen. Warum waren die Übrigen eigentlich zu dieser Sondervorführung gekommen? Die “wissenschaftliche Begleitung” und Diskussion schien mir wie eine Alibiveranstaltung um diesen Scheiß-Nazi-Film zu sehen.

Schade, den Abend hätte ich besser verbringen können.

So wurde die Veranstaltung auf der Website von http://www.kulturwissenschaften.de
angekündigt:

Montag, 25. Oktober 19:00 Uhr
Filmvorführung und Diskussion mit Christian Gudehus (KWI) und Armin Nolzen (Bochum)
Sondervorstellung “Jud Süß”
Ort: Filmstudio Glückauf, Rüttenscheider Straße 2, 45128 Essen
Veranstalter: KWI

In Zusammenarbeit mit den Essener Filmkunsttheatern wird der schlimmste Propagandafilm der NS-Zeit, dessen Aufführung in Deutschland heute ohne wissenschaftliche Begleitung (zu Recht) nicht erlaubt ist, im Filmstudio Glückauf gezeigt.
Das von den Nationalsozialisten in Auftrag gegebene und als antisemitischer Propagandafilm konzipierte Werk ist scheinbar an die historische Figur des Joseph Oppenheimer (1698 – 1738) angelehnt, die Erzählung entspricht jedoch nicht den überlieferten Quellen. Mittels der gezielt negativen Darstellung Oppenheimers sollte der Film das Judentum allgemein diskreditieren und den zeitgenössischen Zuschauer auf weitergehende Verfolgung der Juden vorbereiten. Mit “Jud Süß” schuf Veit Harlan einen der schlimmsten Propagandafilme der NS-Zeit. 1949 musste er sich unter anderem deswegen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen. Nachdem der im Exil lebende Lion Feuchtwanger, Autor der Romanvorlage, den Film gesehen hatte, schrieb er einen offenen Brief, in dem er den “wüst antisemitischen Hetzfilm im Sinne Streichers und seines ‘Stürmers’” scharf verurteilte und mit den Darstellern wegen ihrer Mitwirkung hart ins Gericht ging.

Die Vorführung des Films „Jud Süß“ wird einerseits gerahmt durch eine historische Kontextualisierung der Filmproduktion und andererseits durch Informationen über die zeitgenössische Rezeption.

Diskutanten:
Armin Nolzen ist Historiker, Buchautor und Redakteur der Reihe „Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus“.
Dr. Christian Gudehus ist seit Juli 2005 Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Center For Interdisciplinary Memory Research (CMR).

Eine Kooperation mit den Essener Filmkunsttheatern. Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI) | Goethestraße 31 | 45128 Essen | Tel. +49 201-7204-0

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